Über Butches, Transmänner und (nicht nur) lesbische Verlustgefühle

Also, ich habe ja die gleiche Partyeinladung bekommen wie Andrea Roedig. Ich bin sogar zu dieser Party hingegangen. In allererster Linie aus Neugier. Und weil ich finde, dass es – neben z.B. Partys für FrauenLesbenInterTrans (FLIT) und Partys für LesbenSchwuleBisexuelleTransleuteQueers (LGBTQ) und Partys für “alle” – durchaus auch Partys nur für Frauen (inkl. Transfrauen) geben kann und sollte. Und ich hatte vor dem Besuch der Party tatsächlich ein wenig halbernste Sorge, ob dort wohl auch für mich attraktive Menschen (sprich: Butches) sein würden. Oder vielleicht sollte ich eher sagen, ich habe mich gefragt, welcher Teil der Butches sich wohl von dieser Einladung angesprochen fühlt. Ich bin es nämlich nicht mehr gewohnt, die Butches (und anderen nicht-cismännlichen FLITs) in meinem weiteren sozialen Umfeld nach “Frauen” und “Nicht-Frauen” sortieren zu müssen, weil üblicherweise eh alle auf der gleichen Party sind (die natürlich keine “Frauenparty” ist, jedenfalls keine ohne erweiternde Fußnoten) und es im alltäglichen Umgang erfahrungsgemäß relevanter ist, zu wissen, wer welche(s) Pronomen bevorzugt. Die Frage, wer welche Identität(en) mit diesem_n Pronomen verbindet bzw. sonst für sich in Anspruch nimmt, ist dann eher was für ausführlichere Hintergrundgespräche und längere Kontakte zwischen (wie auch immer) aneinander Interessierten.

Die Party war überwiegend auch wirklich nett. Jedenfalls bis auf die Tatsache, dass einige selbstidentifizierte Butch-Frauen einen Teil des Abends damit verbrachten, in meiner Hörweite wirklich schlimm unzutreffenden binären Unsinn über (angeblich) supersexistisch-mackerige Transmänner vs. (implizit) völlig unsexistisch-unmackerige Butch-Frauen von sich zu geben. Ich habe mich nach Kräften bemüht, das nicht gänzlich unwidersprochen zu lassen, aber so richtig war das weder der Ort noch die Zeit für ausführlichere Aufklärungsgespräche. Mal abgesehen vom offenkundig mangelnden Interesse meiner dortigen Gesprächspartnerinnen an einer differenzierteren Sichtweise – oder überhaupt an meiner Meinung als queer-feministische und butchliebende Femme, die ihren Alltag mit einer nonbinary Trans-Butch mit diversen Transitionserfahrungen teilt (aber so weit kam ich in meinen Ausführungen ja erst gar nicht).

Aber jetzt gibt es ja diesen ZEIT-Artikel (vgl. obiger Link), in dem im Grunde die gleichen Punkte nochmal etwas allgemeiner wiederholt werden, die schon auf dieser Party keinen Sinn ergeben haben. Und deshalb nehme ich mir jetzt doch nochmal die Zeit, mich etwas ausführlicher dazu zu äußern. Weil das mit den Lesben, Butches und Transmännern und das mit dem queer und dem Feminismus in Wirklichkeit eben alles doch ein bisschen komplizierter ist, als dieser Artikel es darstellt. Und weil so ein Artikel ja oft länger hält als ein flüchtiges Partygespräch. Und weil ich das deshalb erst recht nicht unwidersprochen so stehenlassen will.

Aber von vorne.

Biologische Zustände, soziale Zuschreibungen und unerwartet queeres Gedankengut

Ich möchte gar nicht so viel zu den ganzen sprachlichen Ungereimtheiten in dem Text von Andrea Roedig sagen, weil es mir hier nicht in erster Linie um irgendeine unerfreuliche Wortwahl an sich geht. Aber so richtig lässt sich dieser Artikel nicht sinnvoll diskutieren, wenn eins nicht auch einen Blick auf seine Sprache wirft. Reden wir also doch erstmal über Worte und was sie so bedeuten. Dazu hole ich ein bisschen über den Text von Roedig hinweg aus und gehe nochmal ein wenig ins Grundsätzliche.

Da ist zum Beispiel die Wortkombination “biologisches Geschlecht” (im Englischen ist das “sex” im Unterschied zu “gender”, also “sozialem Geschlecht” – dazu weiter unten mehr). Darunter verstehen die meisten Leute eine bestimmte Kombination körperlicher Zustände, die sich aus naturwissenschaftlich-technisch messbaren Faktoren wie z.B. dem Chromosomensatz, dem Hormonspiegel, der inneren und äußeren genitalen Konfiguration und weiteren sogenannten “Geschlechtsmerkmalen” wie z.B. Brustgröße, Gesichts- und Körperbehaarungsmenge, Stimmlage und/oder allgemeine Körperproportionen zusammensetzt. Nicht zu vergessen irgendwas Messbares “im Gehirn”. Diese Faktoren (die übrigens bei weitem nicht alle unveränderlich genetisch vorbestimmt sind!) treten im echten, menschlichen Leben in nahezu endloser Vielfalt in nahezu endlosen Kombinationen auf und verändern sich teils auch im Laufe eines durchschnittlichen Lebens (ich sage nur “Pubertät”…). In einer normativ zweigeschlechtlich gedachten Welt (und in der leben Andrea Roedig und ich und die Leute, über die sie und ich gerade schreiben, nun mal – ob wir wollen oder nicht) werden wir aber alle nach oberflächlicher Inaugenscheinnahme der äußeren Genitalgegend direkt nach der Geburt statisch einem von zwei Grundmodellen (“Frau” bzw. “Mann”) zugeordnet (bzw. zwangszugewiesen, “notfalls” auch durch medizinisch vollkommen unnötige chirurgische Eingriffe).

Das “biologische Geschlecht” wird üblicherweise als der “unveränderliche” Teil von Geschlecht gedacht. Weswegen auch immer noch erschreckend viele Menschen darin eine geschlechtliche “Wahrheit” suchen, die vermeintlich naturgegeben und prä-gesellschaftlich bedeutungsvoll vorhanden ist. Woraus sich natürlich jede Menge transfeindliche Gruseligkeiten ableiten. Dass Transfrauen von vielen Menschen ihr “richtiges” Frausein abgesprochen wird, zum Beispiel. Oder dass Transmänner trotz klarer Identifikation als Männer von manchen Menschen eher wie besonders begehrenswerte, weil besonders androgyne (sprich: maskuline) “Ehrenlesben” behandelt werden. Oder dass von cisweiblichen Lesben einfach nicht verstanden wird, warum sich viele Nonbinaries, Genderqueers, Genderfluide und Transmänner von Einladungen zu “Frauenpartys” selbstverständlich nicht (mehr) angesprochen fühlen, auch wenn sie vor 20, 30 oder 50 Jahren bei ihrer Geburt noch so vehement als “weiblich” zugewiesen wurden.

Ich persönlich halte es bezüglich des “biologischen Geschlechts” dagegen mit denen, die festgestellt haben, dass anatomische Tatsachen zwar teils “naturgegeben” sein mögen, dass aber jede Bedeutung, die wir ihnen zuschreiben, sehr wohl gesellschaftlich geformt und damit auch veränderlich ist (wer mehr dazu lesen möchte, könnte z.B. mit Judith Butler oder Thomas Lacquer anfangen). (Insofern bleibe eins mir bitte auch weg mit den ach-so-“ursprünglichen” Steinzeitmenschen und all den danach evolutionär nicht mehr weiterentwickelten Männern, die nicht zuhören wollen, und Frauen, die nicht einparken dürfen…) In diesem Sinne ist jedenfalls auch das “biologische Geschlecht” nur das Ergebnis sozialer Bedeutungszuschreibungen auf bestimmte Kombinationen von Körpermerkmalen und nicht irgendeine objektive “Wahrheit”. Weswegen ich üblicherweise auch gar nicht erst zwischen “biologischem” und “sozialem” Geschlecht unterscheide, sondern alles “Gender” nenne.

Aber wie gesagt, die meisten Menschen beharren nicht nur auf der Unterscheidung zwischen “biologischem” und “sozialem” Geschlecht, sondern bestreiten dabei auch, dass sich das “biologische Geschlecht” überhaupt ändern ließe – weil es ja angeblich schon als Tatsache da war, bevor wir überhaupt eine (geschlechtliche) Selbstwahrnehmung entwickelt haben. Insofern ist es interessant, dass ausgerechnet Roedig nun meint, dass die Einnahme von Hormonen das “biologische Geschlecht” verändert. Denn das ist in meinen Augen ein ausgesprochen queerer Gedanke. Und zwar selbst dann noch, wenn sie ignoriert, dass nach dieser Logik dann aber auch Cisfrauen und Cismänner, die (z.B. zur Schwangerschaftsverhütung, gegen Akne, zur Steigerung oder Senkung der Libido, gegen andere sexuelle “Funktionsstörungen”, gegen Wechseljahrsbeschwerden und/oder zur Vereinfachung des Muskelaufbaus) bestimmte Hormonpräparate nehmen, damit ihr “biologisches Geschlecht” ändern – jedenfalls ein bisschen. Das gilt natürlich nur dann, wenn wir außerdem ausblenden, dass es sowas wie eine geschlechtliche Identität und Selbstdefinition gibt, die im Zweifel den Ausschlag bei der Geschlechtsbestimmung von Menschen geben sollte – und genau das blendet Roedig ja in der Tat aus, mit ihrem binären Bild von (ausschließlich) weiblichen Butches, die keine Hormone nehmen und keine “Trans”-OPs machen lassen (und all das auch nicht wollen) und (ausschließlich) männlich-identifizierten Transmännern, die allesamt hormonell verändert und irgendwie “transspezifisch” operiert sind (oder sein wollen).

[Ebenso ausgeblendet werden an dieser Stelle übrigens auch Transfrauen im Allgemeinen. Bei Roedig ist das tatsächlich auch wieder ein bisschen interessant, weil Transfrauen immerhin im ersten Satz – dem mit dem Zitat aus der Partyeinladung – explizit als Zugehörige in Frauenräumen genannt werden und dann auch nirgendwo wieder aus denselben rausdefiniert werden. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob das nun wirklich auf ausdrückliche Transfrauenfreundlichkeit schließen lässt, oder ob Roedig das weitere Mitdenken von Transfrauen nach ihrem Einleitungssatz einfach “vergessen” hat, weil sie ja so mit (implizit als cisweiblich gedachten) Butches und Transmännern beschäftigt war. Oder wen sie überhaupt als Transfrau gelten ließe, wenn wir sie denn danach fragen würden (was wir übrigens nur dann – und nur zu Klärungszwecken – tun sollten, wenn sie demnächst diejenige ist, die Partyeinladungen “nur für Frauen” verschickt). Aber gut, halten wir fest, dass wir es in diesem Artikel scheinbar immerhin nicht mit trans(frauen)ausschließendem Radikalfeminismus (TERF) zu tun haben. Ein paar Abgründe bestimmter feministischer Denkweisen bleiben uns also doch erspart. Und halten wir fest, dass auch ich hier im Folgenden mehr über Transmännlichkeiten als über Transweiblichkeiten sprechen werde, weil ich ja nach wie vor eine Antwort auf den Artikel von Roedig verfasse und nicht allgemein über das Verhältnis feministischer/queerer Räume zu Transmenschen schreibe.]

Erwähnen möchte ich zum Thema “biologisches” (oder vielleicht besser: “körperliches”) Geschlecht außerdem noch, dass dessen Grenze zum “sozialen” Geschlecht (s.u.) auch ohne Butler und Lacquer sehr fließend ist. Jedenfalls dann, wenn eins mitdenkt, dass auch Dinge wie Bodybuilding und andere Körpertrainings, Frisuren und sonstiger Umgang mit sichtbarem Körperhaar, Stimmmodulation und Sprachmuster, Gestik, Mimik und allgemein Körpersprache sowie Körper(um)formungen durch Bekleidung einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung eines menschlichen Körpers nicht nur als “feminin”/”maskulin”/”androgyn” (im Sinne von “gender”), sondern auch als “weiblich”/”männlich”/”uneindeutig” (im Sinne von unterstelltem “sex”) haben. Daher kann die cisweibliche Butch-Frau je nach Gesamterscheinungsbild (und je nach Wahrnehmungsmustern der Betrachter_innen) auch durchaus öfter mal als Cismann gelesen werden. Und der Transmann wird vielleicht auch dann weiter als “Frau” gelesen, obwohl in seinem Ausweis seit drei Jahren ein eindeutig männlicher Vorname steht und mittlerweile auch alle Post ordentlich an “Herrn Nachname” adressiert ist. Selbst die von Oma und Opa.

Soziale Zustände und das komplexe reale Leben jenseits von Binaritäten

Womit wir dann also beim “sozialen Geschlecht” (englisch “gender”) wären. Das ist in etwa das, was andere Leute uns so als Geschlecht zuschreiben. Und wenn wir Glück (und ein entsprechend queer gebildetes Umfeld) haben, wählen sie dabei aus mehr als nur zwei Möglichkeiten. Diese Zuschreibungen können wir bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, z.B. indem wir uns bestimmter Stylingcodes bei der Wahl von Bekleidung und Frisuren bedienen. Oder gegenderte Vornamen oder andere Selbstbezeichnungen benutzen. Oder T-Shirts/Buttons/Schildchen mit identifizierenden Informationen tragen. Oder bestimmte Körpermerkmale betonen bzw. sie verdecken oder von ihnen ablenken. Oder andere Leute im Gespräch darüber informieren, wie wir uns geschlechtlich identifizieren und wie das mit unserem äußeren Erscheinungsbild zusammenhängt oder auch nicht.

Bei diesen Kombinationen von Selbstpräsentation und Außenwahrnehmung kann dann z.B. rauskommen, dass Butch-Frauen Stress auf dem Frauenklo haben, weil das Klopersonal oder andere Klobenutzerinnen sie aufgrund ihrer maskulinen Selbstpräsentation für Männer gehalten haben und beim Versuch, den Frauenraum “Damentoilette” zu schützen, leider an der falschen Stelle eine Bedrohung dieses Raums gesehen haben. Oder dass feminine(re)n Transfrauen aufgrund ihres Nicht-als-Cisfrauen-gelesen-Werdens analog das gleiche passiert. Oder dass Transmänner in der Arztpraxis jedes Mal wieder aufs Neue als trans geoutet werden, weil das Praxispersonal scheinbar nicht in der Lage ist, irgendwo zu vermerken, dass der Patient seit mittlerweile fünf Jahren “Herr Nachname” heißt. Und zwar auch dann, wenn er weiterhin eine gynäkologische Praxis besucht. Oder dass cisweiblichen Femmes unterstellt wird, sie seien schon immer rundum absolut genderkonform gewesen und hätten niemals irgendwelche Genderdysphorie am eigenen Leib erlebt, bloß, weil sie heute Expertinnen im Auftragen von Eyeliner und Nagellack sind und wissen, was Victory Rolls sind (und sie womöglich gar machen können).

Es kann aber auch rauskommen, dass manche Butches auf der queeren Party eben als “er” angesprochen werden (und das auch gut finden), ohne dass sie sich deswegen notwendigerweise als “Männer” identifizieren. Zum Beispiel weil es im Deutschen keine grammatisch unkomplizierte und breit bekannte Pronomenvariante wie das singuläre “they” gibt. Oder weil ein “er” für eine Butch in einem queeren Raum sehr wohl etwas anderes bedeuten kann als ein “er” in einem heteronormativen Kontext (ein schwuleninternes “sie” bedeutet ja auch nicht, dass der so Bezeichnete “in Wirklichkeit” eine Frau ist, sondern verweist einfach auf eine spezifisch schwul-tuntige Sprachkultur). Oder es kann rauskommen, dass Transfrauen selbstverständlich und mit jedem nur denkbaren körperlichen Erscheinungsbild und mit jedem Grad von Angezogensein bzw. Nacktheit auf der Frauensexparty herzlich willkommen sind und (zumindest von einigen Anwesenden) auch genau so wie sie sind, begehrt werden. Oder es kann rauskommen, dass der Transmann hier drüben viel femininer und viel feministischer ist als die ausgesprochen femininitätsfeindliche und super-maskuline Butch-Frau, die neben ihm steht. Oder dass die Person mit dem Vollbart auf der FLIT-Party sich als nonbinary Butch identifiziert, entspannt alle Pronomen für sich verwendet und trotzdem seit Jahren Testo nimmt – und die Person, die sich explizit als Transmann und männlich und ausdrücklich nicht als Butch oder nonbinary oder genderqueer identifiziert, trotz jahrelangen Positionierens als Mann immer noch “aus Versehen” (ja, nee, is klar) als “sie” bezeichnet wird, weil er in den Augen der Sprecher_innen “nicht männlich genug” aussieht. Und trotzdem stur weiter Männerröcke trägt, weil er eben auch Goth und (manchmal) schwul ist. Oder dass auch cisweibliche Femmes in ihrer Genderkomplexität wahrgenommen werden. Und dass Femininität nicht weniger als “authentisch” gilt als alle anderen lesbischen, queeren und nicht-so-queeren Gender, die um sie herum existieren. Das alles kommt – wie so oft beim Thema Gender – immer sehr auf den Kontext an.

Bei Roedig ist all sowas aber einfach nur “unübersichtlich” und damit irgendwie implizit doof. Naja, klar, mehr-als-zwei ist eben mehr-als-zwei und damit automatisch komplexer. Und selbst ein quasi-antiquarisches 256-Webfarben-Spektrum ist nun mal bunter als ein binäres Schwarz-weiß. Ich persönlich finde ja, vielfältiger und differenzierter ist besser, weil genauer und zutreffender. Und ich finde, Roedig kann ruhig mal ein bisschen weniger faul sein und die real existierende geschlechtliche Vielfalt einfach mal wahrnehmen, anstatt weiterhin mit zwei und nur zwei Geschlechtskisten durch die Gegend zu laufen und da alle Menschen um sie herum zwangseinzusortieren. (Habe ich Hoffnung, dass sie dies tatsächlich tun wird? Ehrlich gesagt, nicht so richtig. Schließlich wollte sie schon 2002 “nun wirklich nichts mehr von ’embodie[d] practices’ und ‘power structures’ hören und schon gar nichts mehr von einer Weltsicht, die postmoderne Denkstrukturen nur deshalb gut findet, weil sie essentialistisches Denken (böse), Dualismen (böse), Ausschlüsse (böse) kritisiert”… Aber ich schreibe das hier ja auch nicht in erster Linie für Andrea Roedig, sondern für diejenigen, die vielleicht doch ein bisschen aufgeschlossen(er) für nicht-binäre Weltbilder sind.)

Und jetzt zum nächsten Zaubertrick: Die Verschwundene Butch und die Diskursive Verschiebung!

Jedenfalls gilt üblicherweise das “soziale Geschlecht” als der veränderliche Teil von Geschlecht. Bei Roedig sieht das dann ungefähr so aus: Schnell mal die Haare wachsen gelassen und schwuppdiwupp ist aus dem “hässlichen Mannweib” eine nach heteronormativen Maßstäben (implizit) attraktive(re) Frau geworden, mit der plötzlich auch die “ehedem maulfaulen Kolleg_innen” reden. Schnell mal ein paar Hormone eingeworfen uns schwuppdiwupp ist eine “Butch verloren gegangen” und ein “waschechter Typ” entstanden. Wundersamerweise bleibt die Butch jedoch auch mit längeren Haaren noch eine Butch (darf also ihre Selbstdefinition behalten, auch wenn sie von ihrem Umfeld plötzlich ganz anders behandelt wird), während der Transmann spätestens mit “behaarter Brust” keinesfalls mehr gleichzeitig Butch sein kann, egal, was er selbst vielleicht dazu meint. Weil Roedig ja Butches mal eben ausschließlich als Frauen definiert hat und es ihr dabei völlig egal ist, dass längst nicht alle real existierenden Butches sich auch als Frauen identifizieren.

An dieser Stelle muss ich nun mal kurz einen Schlenker in die Geschichte machen und darauf hinweisen, dass die Kategorie “Butch” (bzw. ihre deutschsprachigen Vorläuferinnen “Kesser Vater (KV)”, “Bubi”, “Vatti” u.ä. und alle ihre anderssprachigen Nicht-ganz-Äquivalente) historisch noch nie ausschließlich Menschen beinhaltet hat, die sich ungebrochen als Frauen identifiziert haben. Das ist also definitiv kein “Phänomen, das in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren zunehmend virulent geworden ist”, sondern das war schon um die vorletzte Jahrhundertwende so. Also ab dem späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er, dann brach zumindest hierzulande die Geschichte nationalsozialismusbedingt erstmal ab, ging aber z.B. in Nordamerika in den 1940er-60er Jahren erst so richtig los, was sich z.B. in den autobiographischen Texten der butchliebenden und feministischen Fem(me)s Joan Nestle (ganz besonders hier) und Amber Hollibaugh nachlesen lässt – oder, fiktionalisiert, in Leslie Feinbergs Stone Butch Blues (dt. Träume in den erwachenden Morgen). Und nur weil es in den 1970ern eine kurze Weile gendertheoretisch quasi nur “Männer” und “Frauen” gab (was ja für viele feministische Analysen auch temporär durchaus ein sinnvolles Denkmodell war), oder weil sich manche Butches mangels alternativer Begriffe und Identifikationsmodelle dann eben doch “Frau” genannt haben (und vielleicht auch, weil das zumindest im Kontext der frühen Sexismusanalysen der 1970er sinnvoll war), heißt das trotzdem nicht, dass all die Butches, die Roedig im Zuge von Transitionsprozessen “verloren” gehen sieht, vorher auch wirklich “Frauen” waren. Oder dass alle Butches, die hormonelle und/oder chirurgische Maßnahmen aus dem Trans-Katalog ergreifen, am Ende zu “waschechten Typen” werden, die “teils zart, teils massiv mit behaarter Brust, Bierbauch und rüden Manieren als Kerle auftreten.” Wobei das mit den “Männern” und “Frauen” und nichts anderem selbst für die 1970er Jahre nicht stimmt. Denn die Feministin Monique Wittig schrieb zum Beispiel 1978, “‘Frau’ hat nur Bedeutung im heterosexuellen System des Denkens und in heterosexuellen ökonomischen Systemen. Lesben sind keine Frauen.” Befänden wir uns in einem fiktionalen Universum, wäre das, was Roedig hier tut, jedenfalls ein klarer Fall von retconning zum Zwecke der Untermauerung ihres geradlinigen Narrativs vom “Verschwinden der Butches” in die Transmännlichkeit.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich persönlich rüde Manieren und gruselige Femininitätsfeindlichkeit durchaus auch bei cisweiblichen Butches erlebt habe – und ausgesprochen respektvolles und un-sexistisches Verhalten bei allerlei Transmaskulinitäten. Und dass sowieso nichts falsch an Bier- und anderen Bäuchen ist und Roedig diese beiläufige Dickenfeindlichkeit und den impliziten Klassismus im Bild vom bierbäuchigen, brustbehaarten Kerl mit den schlechten Manieren auch einfach mal hätte weglassen können. Und dass ich beim besten Willen nicht weiß, was Roedig meint, wenn sie sich beim “Umgang der Transmänner untereinander” eher “an die offensivere schwule Subkultur” erinnert fühlt “als an die lesbische”. Soll das heißen, Transmänner gebärden sich miteinander zu offensiv begehrlich-sexuell? Denn um zu viel Tuntigkeit bzw. männliche Femininität unter Transtypen geht es ja wohl kaum… Und welche lesbische Subkultur ist hier gemeint? Die Dykes on Bikes? BDSM-Butches/Lesben, die auf andere BDSM-Butches/Lesben stehen? Mir fallen jedenfalls gleich mehrere lesbische Subkulturen ein, die für mich nicht viel anders aussehen, als das, was ich so zwischen mehr oder weniger schwulen Transmännern mitkriege…

Aber ich will gar nicht leugnen, dass es tatsächlich inzwischen weniger Menschen gibt, die sich als “Butch” identifizieren, als noch vor zehn, fünfzehn Jahren. Und mehr (nicht nur) bei der Geburt als “weiblich” zugewiesene Menschen, die sich als “Transmann”, “transmaskulin”, “trans”, “genderqueer”, “genderfluid” oder “nonbinary” identifizieren. Ich stimme Roedig in dieser Beobachtung also durchaus zu. Ich glaube bloß, dass die Sache im echten Leben deutlich vielschichtiger ist, als Roedig es dargestellt hat.

Zuerst muss da nämlich erwähnt werden, dass Mitte/Ende der 1990er die selbstidentifizierte “Butch” ganz und gar nicht das allgemeine lesbisch-feministische Wunschmodell war. Die Butch als solche galt damals nämlich als viel zu “männlich” identifiziert, viel zu “mackerig” und vielleicht gar viel zu “prollig”. Kurz, sie überschritt die Grenzen der lesbisch-feministischen Gender-Schicklichkeit in Bereiche von Maskulinität, die irgendwie “zu viel” waren. Karohemden, maskulin konnotierte Sportlichkeit (also jetzt nicht etwa Ballettkompetenzen) und handwerkliche Begabung waren zwar unter Lesben hoch angesehen, ebenso wie androgyn-jungenhafte Züge in Gesichtern und Körpern. Aber wehe, es wollte eine im Ernst regelmäßig Anzüge tragen. Oder ihre Freundinnen/Affären nur mit Dildo vögeln. Und natürlich wurde nicht öffentlich darüber gesprochen, dass die eine oder andere nicht nur wegen ihrer EMMA-feministisch begründeten Ablehnung von “Reizwäsche” zwei Nummern zu kleine Sport-BHs trug, sondern auch, weil diese die eigenen Brüste eben nicht hoben und teilten, sondern im Gegenteil plattdrückten und anlegten, was irgendwie ein besseres (weil weniger “weibliches”) Körpergefühl machte. Und wenn so eine “zu männliche” Butch dann auch noch auf Femmes stand, wurde sie übrigens gerne obendrein noch der “Reproduktion von Heterosexualität” beschuldigt. Und zwar von lesbischen Feministinnen bzw. feministischen Lesben exakt der Generation, die Roedig in ihrem Text als “klassisch sozialisierte Homos” bzw. als “mehr feministisch als queer geprägt” bezeichnet. Die Butch war also keineswegs das vorherrschende Lesbenideal, jedenfalls nicht in den feministisch-lesbischen Kontexten, in denen ich mich Mitte/Ende der 1990er so tummelte. Im Gegenteil, die Butch (zusammen mit der Femme) war das, wovon wir uns vehement abgegrenzt haben. Wegen ihrer “Männlichkeit” (bzw. Femininität). Und ihrer “Heterosexualität”.

Das gleiche Misstrauen gegenüber “zu viel Männlichkeit” in lesbischen/queeren Räumen gibt es heute auch noch, wie sich unkompliziert bei Roedig nachlesen lässt. Bloß jetzt wird es eben meistens stereotyp nicht mehr von Butches verkörpert, sondern von Transmännern. Heißt, das, was sich tatsächlich verschoben hat, ist das Label, mit dem diejenigen bezeichnet werden, die die magische Grenze von “Weiblichkeit” bzw. “Frausein” bzw. “Lesbischsein”/”Homosexualität” in deren Jenseits überschreiten. Und ein bisschen die Orte, wo genau nun diese Grenzen gezogen werden. Damit ist “Butch” jetzt das altmodische, lesbische Auslaufmodell, das plötzlich viel ungebrochener “weiblich” dargestellt wird (und zwar sowohl von welchen wie Roedig, die Butches toll finden, als auch von welchen, die sich von ihnen abgrenzen wollen, weil sie Butches nicht maskulin/männlich genug finden), als es im echten Leben je gewesen ist. Und “Transmann”, “Genderqueer” und “Nonbinary” sind jetzt – je nachdem, wer spricht – entweder die jungen, hippen, coolen, queeren Modelle für geschlechtliche Avantgarde, die sich von all dem lesbischen Biologismus (und den altmodischen, lesbischen Butches) befreit haben, oder die jungen, hippen, uncoolen, queeren Modelle für geschlechtliche Avantgarde, die sich von all dem (lesbischen) Feminismus (und den altmodischen, lesbischen Butches) entsolidarisiert haben. Die Kultur- und Genderwissenschaftlerin in mir würde daher also zusammenfassend sagen: Es gab da eine Diskursverschiebung.

Das dürfte allein die von Roedig ja erwähnte Tatsache deutlich machen, dass Patrick Califia (der übrigens nicht nur “den Lesbensex-Klassiker Sapphistry schrieb”, sondern unter anderem auch schwule BDSM-Pornos verfasste und nie ein Hehl daraus machte, dass er als Leather Dyke durchaus auch zuweilen Sex mit schwulen, cismännlichen Lederkerlen hatte) es irgendwann trotz allem Feminismus eben nicht mehr stimmig für sich fand, als Leather Dyke durch die Welt zu gehen. Und auch Jack Halberstam hat übrigens in Female Masculinity bereits deutlich gemacht, dass es für ihn auch als Judith Halberstam schon keine unkomplizierte Identifikation als Frau gab. Ganz zu schweigen von Leslie Feinberg, die_der sowieso nie die Frau war, als die sie_er gerne in lesbischen Kreisen vereinnahmt wurde (aber eben auch nie der Transmann, als der sie_er in transmännlichen Kreisen ebenfalls gerne vereinnahmt wurde). All diese gebrochenen Identifikationen mit der Kategorie “Frau” wurden aber nicht durch “die Medizin” möglich gemacht. “Die Medizin” erlaubt es höchstens, diesen gebrochenen Identifikationen auch körperlich Ausdruck zu verleihen, falls eins das tun möchte.

[Und kann ich kurz was dazu sagen, wie absurd die Formulierung vom “Trend zu Trans” bzw. der “Trans-Mode” ist? Ich stelle mir dazu jedenfalls vergleichsweise vor, vom “Trend zum HIV-Infektions-Langzeitüberleben” zu sprechen, nur weil es heutzutage medizinische Verfahren gibt, die eine HIV-Infektion nicht mehr so unmittelbar tödlich machen, wie in den 1980ern. Was in den letzten zwanzig, dreißig Jahren fraglos immense soziale Veränderungen u.a. von schwulen Sexualkulturen nach sich gezogen hat. Es gibt im Leben halt immer wieder medizinische, technische und juristische Entwicklungslinien (= Trends!), und die bringen manchmal auch soziale Veränderungen mit sich. Das macht sie aber nicht zu bloßen “Moden”, die eins implizit nicht wirklich ernst nehmen müsste, weil sie eh bald wieder vorbei sind.]

Nochmal mit Gefühl: Real existierende Verlusterfahrungen (am eigenen Beispiel)

Aber wie das so ist mit Labeln und Subkulturen und all dem Herzblut, mit dem wir da dran- und drinhängen, ist es mit der kulturwissenschaftlichen Analyse allein natürlich nicht getan. Weil da ja trotzdem Leute sind, die diese Veränderungen als bedauernswerten Verlust empfinden. Und weil es für diese Verlustgefühle erstmal irrelevant ist, dass ihr inneres Bild von Butches als Frauen (und sonst nichts) nie wirklich der Realität entsprochen hat.

Und irgendwo bei diesen Verlustgefühlen sitze ich dann auch mit am Tisch, wenn auch mit einem anderen Hintergrund und daher einer anderen Perspektive als Roedig. Aber ich weiß noch sehr gut, wie ich plötzlich von meiner lesbischwulqueeren lokalen Community, die ich in jahrelanger unbezahlter Arbeit mitgeschaffen und -gestaltet habe, an den Rand definiert wurde, als ich das erste Mal mit einer Transgender Butch ankam, die “er” genannt werden wollte (“bist du dann jetzt Hetera?”). Ich weiß noch sehr gut, wie zwiespältig es sich angefühlt hat, mit diesem Menschen auf der Straße als “Lesben!” angepöbelt zu werden, weil ich einerseits froh war, dass unsere gemeinsame Queerness offenbar nach wie vor sichtbar war, mich andererseits aber schlecht gefühlt habe, weil diese Wahrnehmung ja auf einer Fehlwahrnehmung meines damaligen Partners als “Frau” basierte. Ich weiß noch sehr gut, was es mich an Überwindung gekostet hat (und bis heute jedes einzelne Mal kostet), von meinem jetzigen Partner (wieder eine Transgender Butch, aber mit anderer Detailkonfiguration) gegenüber Leuten, die ihn nicht kennen, als “er” zu sprechen, ohne sofort hinterherzuschieben, dass er nonbinary trans ist und wir einzeln und zusammen queer sind (erfahrungsgemäß gibt es nämlich zahlreiche Situationen, in denen das einfach zu kompliziert für den Nebensatz ist, in dem ich ihn eben kurz erwähnen wollte – und ja, ich darf ihn überall als trans outen, wo es mir richtig und wichtig erscheint). Ich weiß noch sehr genau, wie schrecklich es sich angefühlt hat, bei mehreren Menschen in meinem näheren Umfeld den Verlust von liebgewonnenen Gesichtszügen zu erleben, als diese sich aufgrund von Testosteronzufuhr im Erwachsenenalter verändert haben – und dabei mehr als einmal Formen von Maskulinität annahmen, die ich persönlich einfach nicht mehr attraktiv fand (und es war und ist nun mal nicht so, als gäbe es an jeder Straßenecke Menschen, die ich rein gendermäßig überhaupt attraktiv finde – dieser Verlust fand also in einer sowieso schon sehr spärlich besiedelten Gendergegend statt). Ich weiß noch sehr genau, dass ich furchtbare Angst hatte, meine Butch, mit der mich mittlerweile schon längst eine langjährige, krisenerfahrene Beziehung verband, eines Tages schlicht und ergreifend nicht mehr riechen zu mögen, weil sich ihr Körpergeruch aufgrund von Testo verändern würde (denn Gerüche sind für mich nun mal eine Sache, bei der ich gänzlich irrationale Präferenzen und Abneigungen habe, die sich auch durch noch so logische Argumente, dass es ja trotzdem die gleiche Person bleibt, nicht beeinflussen lassen). Ich weiß noch sehr genau, dass ich zuweilen ausgesprochen genervt von der ganzen lesbitransqueeren Maskulinitätsabfeierei um mich herum war, die noch dazu oft auf Kosten von (meiner) Femininität konstruiert wurde (aber ich weiß eben auch noch sehr genau, dass die Trennlinie zwischen sexistischen Mackern und respektvoll-solidarischen Maskulinitäten definitiv nicht sauber zwischen Transmännern/Nicht-Frauen auf der einen Seite und Butches/Lesben/Frauen auf der anderen Seite verlief und auch heute nicht verläuft).

Ich weiß auch noch sehr genau, wie schmerzhaft der Verlust von (nicht nur digitalen) Butch/Femme-Communities für mich gewesen ist, der im Zusammenhang mit dieser Diskursverschiebung stattgefunden hat. Weil ich diese Communities nämlich als gemeinsame Räume erlebt habe, in denen wir einander gegenseitig unterstützt haben und miteinander solidarisch gehandelt haben. Statt dessen soll(te) ich mich nun in Communities wiederfinden, die sich um Transmännlichkeiten gebildet hatten. Aber dort konnte ich bestenfalls eine liebevoll und bedingungslos unterstützende Angehörige sein, der nochmal ganz von vorne erklärt werden musste, wie das mit dem Trans alles so geht (egal, ob ich darüber schon viel länger nachgedacht und gelesen hatte als die Transbutch an meiner Seite) – und schlimmstenfalls eine transmannfetischisierende, transfeindliche Cisperson, die quasi die fleischgewordene geschlechtliche Normalität war. Für meinen Trauerprozess im Zuge der Transitionsschritte meiner (Ex-)Butches (es war und ist nämlich nicht alles toll, was der so kurz- und langfristig an Nebenwirkungen hatte, egal, wie sehr ich ihn dennoch gerne unterstützt habe), für mein konstantes, queeres Begehren nach Menschen, die (oft) weder Männer noch Frauen sind, und für meine eigene Genderkomplexität war in diesen transmannzentrierten Räumen jedoch absolut überhaupt kein Platz. Geschweige denn für die Idee, dass verschiedene Identitäten und Bedürfnisse im Rahmen einer bereits langjährig bestehenden Partnerschaft möglicherweise ausgehandelt werden können, weil da eben zwei Menschen zusammen sind und nicht nur zwei beliebige Repräsentant_innen gesellschaftlicher, binärer Kategorien. Und dass es im Rahmen dieser Idee und so einer Beziehung dann auch geht, sinngemäß zu sagen: “Kannst du deine Transitionsvorhaben vielleicht noch ein paar Monate verschieben, bis ich meinen Uniabschluss fertig habe und den Tod meines Vaters ein bisschen mehr verarbeitet habe?” Oder, ungefähr ein halbes Jahr später: “Können wir alle längerfristigen Zukunftspläne und alle Gespräche darüber bitte auf die Zeit nach dem letzten von mir geplanten Transitionsschritt vertagen?” Und dass es geht, dass beide Fragen nach sorgfältiger Abwägung mit “Ja” beantwortet werden und sich die Konsequenzen daraus dann auch wirklich nicht gegenseitig vorgeworfen werden. (Aber das ist eigentlich auch alles schon wieder ein anderer Text, weswegen ich das hier jetzt erstmal abbreche.)

Es ist also nicht so, als hätte ich selbst als butchliebende Femme bzw. als mehrfache Partnerin (und Freundin) von transmaskulinen Menschen nicht auch gewisse Verlustgefühle gespürt, die den von Roedig erwähnten in manchen Punkten ähneln. Es ist also nicht so, als würde ich ihr feministisches Misstrauen gegenüber einer Aufwertung von Maskulinität und Männlichkeit im Zusammenhang mit einer Abwertung von Femininität und Weiblichkeit in lesbischqueeren Kontexten nicht prinzipiell absolut teilen. (And I even have the print publications I wrote to prove it!)

Es ist mir bloß zu platt, von “ex-lesbischen” Transmännern, die weiterhin Frauen (und womöglich gar feminine!) begehren, pauschal anzunehmen, dass sie damit so ohne weiteres “wieder ins heterosexuelle Paradigma passen”. Vielleicht auf den ersten flüchtigen Blick. Der im Alltagsgebrauch bestimmt auch zuweilen zum Ausbleiben bestimmter Diskriminierungserfahrungen führt. Aber ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass mir und der Transbutch zwar heutzutage gerne mal Heterosexualität unterstellt wird, dass wir aber einzeln und zusammen trotzdem nicht so ohne weiteres ins heteronormative Bild passen. Im Gegenteil. Plötzlich wird der Butch (die ihren Arbeitsalltag mittlerweile als (Trans)”Mann” verbringt) nämlich andauernd signalisiert, dass sie nicht “Manns genug” ist. Weil ich den schwereren Koffer schleppe und den größeren Werkzeugkasten habe. Weil er immer noch über niedliche Tierbilder quietscht (und zwar auch im Büro “unter Männern”). Weil er zu wenig Interesse für stereotyp männliche/maskuline Lebensbereiche zeigt. Weil er bei jeder Gelegenheit kundtut, dass in seiner Gegenwart sexistische Kommentare gefälligst zu unterbleiben haben. Und so weiter. Wohlgemerkt, die passiert derselben Butch, die sich früher immer anhören musste, dass sie “zu männlich” ist. Aus einer “maskulinen Frau” (bzw. einem Menschen, der als solche gelesen wird) wird eben im Zuge einer Transition nicht unbedingt ein maskuliner Mann, sondern manchmal auch ein “femininer Mann” (bzw. eine Person, die als solcher gelesen wird). Während sich seine Selbstdefinition als Transgender Butch in all den Jahren übrigens nie geändert hat, auch wenn er heutzutage öfter mal ein erklärendes “nonbinary” dazusetzt, weil Begriffe wie “transgender” und “Butch” in den letzten zehn, fünfzehn Jahren eben ihre Bedeutung verändert haben. All das soll natürlich nicht leugnen, dass manchmal bei so Transitionsprozessen eben doch ein super-kerliger Kerl rauskommt. Aber es passiert eben nicht immer und schon gar nicht automatisch. Und vielleicht nichtmal überwiegend (jedenfalls, was die Transmänner, Genderqueers und Nonbinaries angeht, die sich auch nach hormonellen und/oder operativen Veränderungen weiterhin in FLIT-Zusammenhängen wohl und zuhause fühlen). Und das ist dann wieder diese komplexe Realität, die ich in solchen Texten gerne mitgedacht sähe.

Mir liegt es (nicht nur) auf dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen jedenfalls fern, Roedig oder ihren Bekannten das Recht auf ihre Verlustgefühle abzusprechen. Im Gegenteil, ich finde es wichtig, dass für diese Gefühle von Verlust und Trauer im Zusammenhang mit Transitionsprozessen in FLIT-/LGBTQ-Räumen Platz ist. Und zwar nicht nur bei denen, die als außenstehende “Angehörige” gedacht werden, die halt einfach nur endlich den Anschluss an den Transjubelzug kriegen müssen (oder sonst eben transfeindlich und scheiße bleiben). Und dass diese Gefühle nicht gleich plattgeschrieen werden, weil jemand in der Art, wie diese Gefühle geäußert werden, Transfeindlichkeit gefunden hat (was nicht heißt, dass die Transfeindlichkeit nicht trotzdem benannt werden sollte!). Denn es bringt uns alle nicht wirklich weiter, und schon gar nicht zusammen, wenn wir es vor lauter berechtigter Kritik an bescheuerten und/oder sachlich falschen Argumenten versäumen, dennoch das Recht anderer Menschen auf ihre eigenen Gefühle und die Äußerung derselben zu respektieren. Und es bringt uns übrigens auch nicht weiter, wenn wir vor lauter berechtigter Kritik an der Transfeindlichkeit in Roedigs Text nun (wieder einmal) lesbisches/queeres Begehren und lesbische/queere Sexualkulturen im Vergleich zur Geschlechtsidentität von Transmännern als irrelevant erklären. Das halte ich nämlich für eine gefährliche Argumentationsfigur, der ich mich definitiv nicht anschließen möchte. Begehren und Sexualität jenseits der Heteronormativität sind und bleiben nämlich hochpolitische Felder (und nicht etwa belanglose Privatsachen). Und ich finde, wir können und sollten es hinkriegen, sowohl nicht-heteronormatives Begehren als auch die Geschlechtsidentitäten von Transmännern (und natürlich auch die von Transfrauen und überhaupt allen geschlechtlich identifizierten Menschen) wichtig und ernst zu nehmen, anstatt das eine gegen das andere auszuspielen.

In diesem Sinne wünschte ich, wir könnten über diese Verlustgefühle in einer Form reden, in der wir nicht unsere Identitäten und Begehrenspräferenzen aufwerten, indem wir die anderer Leute abwerten (erst recht nicht, wenn das – wieder mal – entlang struktureller Machtunterschiede stattfindet). Und in einer Form, in der wir die Komplexität des echten Lebens anerkennen können, auch wenn sie unsere schönen geradlinigen und eindeutigen Narrative unmöglich macht bzw. ad absurdum führt und damit alles zuweilen echt “unübersichtlich” wird. Und in einer Form, in der wir nicht schon wieder binäre Kategorien aufmachen, als hätten wir immer noch nicht verstanden, dass wir damit niemals real existierenden Menschen und unseren komplexen Identitäten, Geschichten und Gemeinschaften gerecht werden können. Unter diesen Voraussetzungen setze ich mich dann auch gerne mit Andrea Roedig (und denen, die so ähnlich denken wie sie) an einen Tisch, um genau diese Gespräche zu führen.

Nachsätze

P.S. Das wollte ich eigentlich auch nochmal ausführlicher machen, aber jetzt bin ich müde und werde unkreativ. Daher nur kurz: “Feministisch” und “queer” sind – ebenso wie “Butch” und “transmännlich” – kein (zwingender) Widerspruch, sondern ergänzen sich oftmals ganz ausgesprochen gut. Manche Leute schreiben sogar Bücher darüber. Und manchmal sind sogar transmännliche Butches sowohl queer als auch feministisch. Die habe ich dann besonders gerne um mich herum. :)

P.P.S. Was ebenfalls heute nicht mehr von mir besprochen wird: der Phallus und seine “weibliche” Aneignung, die zu weit getriebene Homoerotik (was immer das sein soll) und das Missverständnis von Transsexualität als genereller “Subversion des Geschlechts”. Und die Frage, ob der “alte Feminismus” radikaler war als die “neue Queerness” oder umgekehrt oder ob die Antwort auch hier wieder “kommt drauf an, was du radikal findest” ist (Spoiler: letzteres).

P.P.P.S. Und wenn der Text von Roedig nicht an vielen Stellen einfach aneinandergereihte Behauptungen ohne jede argumentativ-logische Verknüpfung wäre, dann wäre es auch einfacher, argumentativ auf ihn einzugehen. Aber so habe ich auch nach knapp 5500 Wörtern immer noch das Gefühl, ich hätte bloß an der Oberfläche dessen gekratzt, was Roedig alles so frei assoziierend in ihren Artikel gestreut hat. Nun ja. Mögen andere an anderer Stelle weiter aufdröseln, was da alles so drinsteht und was davon Sinn ergibt und was nicht und was nur dann, wenn eins den Kopf schieflegt, ein Auge zukneift und mit dem anderen um die Ecke blinzelt.

Zum Schluss: Ihr dürft diesen Text alle sehr gerne kommentieren. Ich bin aber jetzt ein paar Tage nur sehr wenig online, es kann also mit dem Freischalten auch dann ein bisschen dauern, wenn mit eurem Kommentar alles in Ordnung ist.

Glee: Warblers on ‘roids, Or: “In Just Seven Days, I Can Make You A Man”?

This post was sparked by two things: a) my fascination with the visual language of the Warblers storyline in the Sadie Hawkins (4×11) episode (of which I surprisingly haven’t seen even a single gif so far), and b) LettersFromTitan saying that Glee “constructs masculinity as something necessarily constructed” [1].

Let’s recap what happened before this week’s episode. In Dynamic Duets (4×07), we learned that the Dalton Academy Warblers had gained a new leader: military academy-trained Hunter Clarington, who called himself “not even remotely bisexual” while he tried to seduce Blaine Anderson back to Dalton, strongly supported by Sebastian Smythe (who was established as someone with few scruples when it comes to getting what he wants sexually in Season 3). After Blaine refused the offer, the Warblers sang “Whistle” (originally by Flo Rida) and “Live While We’re Young” (originally by One Direction) during the Sectionals competition in Swan Song (4×09) while performing two spectacularly acrobatic choreographies. Since the New Directions were disqualified for leaving the stage because one of their members fainted in the middle of their performance, the Warblers won the competition (and the glee club at William McKinley High School had to hand over their choir room to Sue Sylvester and her Cheerios).

Sadie Hawkins opens with Sam Evans doubting that the Warblers’ “weird flips and superhuman jumps” were simply the result of hard work, suspecting they cheated, and launching his own private investigation into the matter after Blaine told him he needed evidence to make such an accusation. And evidence he finds. Cue “before and after” images of several Warbler faces that indicate a thickening of their jaws and necks over a very short period of time.

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That kind of imagery is of course iconic for all kinds of makeover stories, a trope that Glee has used over and over again (Rachel basically had a makeover at least once a season, and we actually saw before-and-after pictures of her face in her nose job story in Born This Way (2×18)) [2].

It’s also iconic for transgender documentaries, a genre that seems downright obsessed with before-and-after imagery, to either prove a person has been their “true” gender all along (that usually gives us “tomboy girl” pictures for transmen and photos of “effeminate boys” for transwomen) or to show the audience how much they have changed and how far they have come (that usually gives us “girls” in princess or prom dresses for transmen and military “man” portraits for transwomen). And then there’s the visual self-documentation many trans* people are doing on their blogs and YouTube channels that often uses a similar progress narrative of change. As someone who has seen the faces of several of my transgender butch and transguy friends and lovers change by way of hormone treatment, I can’t not see this connection [3].

Another variation of the makeover trope in trans* contexts that is relevant here is the narrative where transmen have to learn how to consciously create a masculine appearance. This is always a complex thing that ranges from knowing the difference between a “male” and a “female” short haircut to where the center of gravity is in a “male” vs. a “female” body and a gazillion other details that can make or break the appearance of “natural” masculinity. So, paradoxically, a lot of conscious work goes into making one’s masculinity look “natural” and “effortless” when it’s anything but.

05b-roid rageBut back to the story. Sam convinces Blaine that the Warblers have taken hormones to enhance their athletic abilities, which would disqualify them from the competition and make New Directions the winners [4]. The two take their evidence to Finn, together with a cellphone video Joe and Artie took at the local coffee shop of Hunter erupting into a fit of violent “‘roid rage” over getting the wrong kind of sweetener is his latte [5]. I won’t discuss here whether higher levels of testosterone actually lead to more aggressive behavior in previously perfectly peaceful people or not (scientific studies on that are inconclusive), but the idea of a connection between testosterone and aggression certainly exists (and as a cultural product, Glee works with such ideas, even if they have been proven wrong by science).

The same is true of a connection between high testosterone levels and an increased libido, which effectively brings us back to the songs the Warblers chose for their Sectionals performance: “Whistle,” which is basically a song about how the singer (Hunter) likes his blowjobs, and “Live While We’re Young” (sung by Sebastian), which is about having casual sex shortly after meeting someone while pretending it’s love and not caring about the consequences.

And now Blaine and Sam bring in Warbler Trent, who confirms that, yes, the Warblers have been using steroids to enhance their chances of winning. And Hunter apparently not only ran that operation but personally administered each of the hormone shots into the butts of his fellow Warblers. Cue blurry faces, faceless and muscular male bodies, sexy and sinister black latex gloves, needles dripping with fluids, and Hunter squirting a dose of that fluid into his own mouth…

07-blurry faces 08-faceless bodies
09-dripping needles 10a-oral

In other words, Trent reports a medicalized secret cult of masculinity with major homosexual undertones, run by Hunter “Not Even Remotely Bisexual” Clarington. Well, as fandom speculated before, Hunter probably gets his biggest kicks out of being in control and making everyone else do what he wants them to, so gender may indeed be irrelevant to him. Nevertheless, Dalton is an all-male world, and the Warblers use a substance heavily associated with masculinity to get an advantage, and Glee portrays this in images that allude to male sexuality, so it’s difficult to ignore the homosexual associations here. Even if Sebastian is strangely absent from the scenes.

In fact, I read the blurry faces and faceless bodies with well-defined muscles, the emphasis on naked butts, and the presence of white fabric on naked skin as an allusion to gay bathhouse culture (remember Sue’s fantasy about Blaine performing(!) on the bathhouse circuit?) and the erotic imagery that relates to it (steamy rooms that make faces hard to see, anonymity, gay sex, white towels draped over idealized male bodies, etc.).

At this point I need to make a small detour to explain the title of this post. The quote is a line from The Rocky Horror Picture Show, where the mad crossdressing scientist Frank N. Furter sings it to his creation, the android Rocky whose most obvious characteristic is his bodybuilder physique. And if that wasn’t queer enough already, the line actually refers to Charles Atlas‘ bodybuilding ads of the 1940s in which Atlas claimed to “manufacture weaklings into men” and to “build a kind of new men.” Many of those ads had at least slightly homoerotic subtexts, which is precisely the reason for all the Rocky Horror references to Atlas. And Hunter has cast himself in a very similar role as someone who uses “scientific” or medical procedures to manufacture the kind of man he believes will win the competition [6].

It’s also a rather grown-up version of masculinity that is presented here and created by testosterone (just look at the well-defined arm muscles in the screencap above), in other words, these are men, not boys. In fact, the Warblers have made themselves into extra-masculine men, or, if you will, literal super-men.

And it’s “round-faced Warbler” Trent, the “sunshine of the group,” whose “hormones can’t handle heroic(!) doses of testosterone,” who doesn’t “even shave yet,” and who is called “Sensitive” by Hunter when it’s his turn to take it into the butt — in other words, boyish, child-like, and implicitly asexual Trent –, who ends up blowing the whistle in a way Hunter definitely didn’t mean him to. Trent is the pure and innocent child who gives up the prospect of winning with the super-male, artificially adult Warblers to side with the New Directions in an attempt to win back the honor and harmonious band of brothers the Warblers used to be. Trent resists Hunter, he fails Hunter’s version of man-made and streamlined, optimized masculinity and his blurry face becomes a sharply defined one again because he now is an individual who broke out of the Warbler machine. And this act may ironically “make him a man” more than any amount of testosterone shots ever could have done.

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This is also where Trent has similarities to early Kurt who also repeatedly failed at the kind of masculinity society rewards, but who gained his individuality in exchange. And he has similarities to Blaine, whose childlikeness has been heavily emphasized this season (the two even joined the Warblers at the same time, which probably makes them the same age).

So it seems that one story Glee tells us about adult masculinity is that failure at it actually often is a good thing. Even if it is punished within the world of high school hierarchies, it tends to lead to being better human beings (who are also men) in the end (off the top of my head, I could easily make a case for Kurt, Puck, and Sam here, but they probably aren’t the only ones). Which is why I’m very curious to see how the Warbler storyline will continue in the next episode.

And when I started writing this, I actually had no idea that I would ultimately end up with so many connections to the trope of “being a man” that Glee keeps revisiting…

——-

Notes:

[1] I’m especially interested in the latter since I’ve often seen the opposite idea discussed (that is, masculinity is “natural” and therefore seems to require no effort to achieve whereas femininity is “artificial” and needs constant and visible work), especially around drag queens vs. drag kings, and, extrapolating from that, of male-to-female vs. female-to-male trans* people and their respective ease (or lack thereof) to be read as the gender they identify with. If you’re interested in academic writing about this subject, check out Judith Halberstam’s book Female Masculinity, especially the chapter on drag kings.

[2] And don’t forget the many, many fandom-created gif sets that show the development of Chris Colfer’s face and body from 2009 to 2013…

[3] I also need to mention that several transguys get their information about testosterone from cismale bodybuilders (due to the absence of long-term studies about the effects of testosterone on transmen), which further connects the two subcultures.

[4] Fans have correctly noted that this still wouldn’t mean the New Directions were the actual winners (they’d still be disqualified for their own violation of the rules), but let’s grant Glee that bit of illogic for the sake of the story, okay?

[5] And can I just mention here that “Latte” means “boner” in German? Which is in no way related to the Italian word for (espresso with) milk, but that doesn’t keep us from making bad sexualized puns about coffee drinks over here.

[6] It’s deliciously ironic that Hunter’s efforts aim at winning a show choir competition, which actually seems a rather “un-manly” thing to do in the world of Glee.

Glee: Bathroom Talk

Bathrooms are highly gendered and gender-policed spaces. Especially women’s bathrooms. The most recent Glee episode “The Role You Were Born To Play” (4×05) gives us a pretty spectacular example of that. And I use ‘spectacular’ both in the sense of ‘making a spectacle out of it’ and of ‘awesome.’ Because, yes, I very much enjoyed watching that scene, despite the massive amounts of transhating and gender-policing (not to mention racist and classist) language it contains. Which is why I now want to pick it apart to see how it works. I should start off by saying that I’m examining fictional characters on a TV show here, not actual human beings. Which means that I will talk about the “narrative function” of a trans* character, and that I will only briefly discuss her perspective in this post. It also means that I will defend the presence of hateful language and intimidating behavior towards a trans* person in this episode because it tells an interesting and complex story about another (cis) character. In other words, please brace yourselves (or come back some other time, or skip this post altogether, whatever works for you).

So, to get everyone on the same page, let me transcribe that scene for you and illustrate it with some screenshots.

[Marley is in the bathroom, looking into the mirror over the sink. Unique comes in.]
Marley: Hey, this is the girls’ bathroom!
Unique: I sit when I pee.

[Both look into the mirrors above their sinks, checking/fixing their faces.]
Marley: How psyched are you for ‘Grease’ auditions? I want Sandy so bad.
Unique: I’m not auditioning.
Marley: What?! Why not? You know you’d get a part!
Unique: I don’t want a part, I want the part. Rizzo. No offense, Sandra Dee, but Rizzo is the money roll of that show. A hot bitch who thinks she’s pregnant and turns out to have a heart of gold. It’s basically my life story.
Marley: [looks at Unique as if to say ‘wait, what?!’]

Unique: But they won’t give me the role. Everyone sees me in drag as a joke or as a stunt when we’re performing. But it would feel as weird for me to play Danny Zuko as it would for you.
Marley: Artie and those guys know that. Just tell them you wanna audition for Rizzo and I’m sure they’ll give you a chance.

[Sue comes out of a stall]
Sue: You know, the casual eavesdropper, hearing the feminine lilt of your voices would just assume you’re a couple of regular gals, yapping away in the crapper. But then the unmistakable scent of talcum powder and day-old pantyhose tells a different story. Well, well, well, if it isn’t McKinley High’s very own Tina Stomach-Turner and her trusty sidekick– [looks at Marley] Trying to think of a mean nickname for you and I’m blanking. But you [points at Unique], Urethra Franklin, you’re a boy and you’re fooling no one. You’re smuggling more kielbasa [points at Unique’s crotch] under these gowns than a homesick Polish lady trying to sneak through customs.
Marley: You can’t say things like that!

Sue: Oh, I think you’ll find I can say anything I want, absolutely stunning, kind-faced, blue-eyed girl. [Starts to put on Marley’s make-up from the bag she left on the sink.] Now, I know full well that gender confusion is the liberal media’s new darling, bored with drowning the nation’s airwaves with tinny sitcoms so gay that you have to stretch a dental dam over your television set in order to watch them safely. The Hollywood communists are busy force-feeding us drag queen reality shows and soft profiles of gender-confused, hormone-gobbling pre-teens who faint at the sight of their own genitals. [Puts one of Marley’s make-up items into her tracksuit top.]

Sue: (cont.) There’s no way in hell you’re gonna play Rizzo. I will not allow you to unleash a teenage maelstrom of gender-bent sexual confusion at this school. So you can turn it around and make it a launch party for your very own line of male girls’ brand-new fragrance called ‘Nutwhiff’–
Marley: We don’t care what you say! [Grabs her make-up bag.] We’re both auditioning for that musical!
Unique: [glares at Sue as she turns around]

[Unique and Marley leave the bathroom together and launch into “Blow Me (One Last Kiss)” from P!nk…]

At first sight, this seems like just another one of those gender-policing bathroom scenes that happen all the time (except that many of the real-life ones are a lot scarier and often end on a much more depressing note), with a generous handful of Sue’s random insults to really drive the point home. And, yes, showing the many ways of gender-policing and misgendering and transphobia that Unique faces is indeed one of the points of this scene. But there’s more, much more to this scene than just that. And Sue’s insults are anything but random. So let’s look at these 2:10 minutes more closely.

We are in the sinks-and-mirrors part of a girls’ bathroom at William McKinley High School (WMHS), that is, a space that is defined as “female” in the two-gendered world of public bathrooms (almost) everywhere. On Glee, this is a space where many a private talk between the girls/women of that school has taken place in previous episodes (Sue is not the first teacher to use it, by the way). There have been many moments of gender-policing (including this deleted scene from the pilot — expect 19 seconds of gender-policing and trans-hate directed at a feminine cisgirl) in this bathroom. There have been fights and jealousy, confessions of secrets, and many moments of bonding between female characters. It serves as a semi-private and female-only space in the world of Glee. However, its has also been established as having leaky boundaries because some secrets have spread beyond the bathroom doors and also across the gender divide. Nevertheless, it is an intimate girls-only space, and the only one of its kind in the Glee world, especially inside of WMHS. Which is why it is so contested in the first place. Actually, the girls’ bathroom (in real life as much as on Glee) is a symbol for the boundaries of femaleness as such. Which means that everyone who enters it is automatically subject to be judged on their worthiness of being there. [By the way, I don’t think it’s a coincidence we have never seen Coach Beiste even anywhere near that bathroom. Most of her fights with femininity happen in the extremely masculine environment of the football players’ locker room – but that’s another story. As is a more detailed look at all the other bathroom scenes on Glee.]

As the scene starts, Marley is already inside the bathroom because her femaleness and femininity have never been questioned by anyone. The action starts when Unique strides in like she owns the damn space. Marley is surprised by her presence (which means that Unique is a not-girl in her mind) and states the obvious: “This is the girls’ bathroom!” (which means that Unique as a not-girl shouldn’t be there). Unique, however, walks on undeterred and informs her that she sits to pee in a tone that is amazingly both prim and sassy. And that apparently concludes the matter for Marley (as well as the other girl who has been in the bathroom with her and leaves after Marley has thus accepted Unique as a legitimate user of the space).

Let’s examine Unique’s comment “I sit when I pee” before we move on. I find it an absolutely ingenious reaction to Marley’s gender-policing because it completely deflects any questions about Unique’s body and turns her gender into something that is sufficiently proven by what she does, not what she (or her body) is. Or, to be more precise, by merely saying what she does. Judith Butler would approve so hard.

And, fascinatingly, this statement, this utterance (okay, Judith, now get out of my language again) really is enough to settle the matter of Unique’s gender for Marley because the next thing that happens (after a minimal cut during which the other girl went from the sink to the door) is Marley chatting to Unique (who has claimed the mirror next to her) about auditions for the school musical and how much she wants Sandy. And again, we need to pause and realize that this is a very interesting little sentence right there. You see, she doesn’t say she wants to “play Sandy” or even “be Sandy.” No, she simply wants Sandy. Of course we’re meant to understand this as “wants the role of Sandy,” but I still can’t help flashing back to previous conversations in that exact bathroom where girls have told other girls what boy they were really into. (Keep that lesbian subtext in mind because it will reappear in a bit.)

The next appearance, however, is made by one Sue Sylvester (the school’s cheerleading coach), who enters the scene from a bathroom stall. Which means that, like a hostile undercover spy, she has heard everything that has been said so far, which means all the gendered secrets and desires of both Marley and Unique. In other words, the previously established safety and trust of this space is now exposed as an illusion once again [gratuitious reaction gif]. Worse, the enemy was there first. And, predictably, Sue goes on to prove that she is indeed an enemy to Marley and Unique.

Before we look at how exactly she does that, let me remind you that Sue often has a casual insult ready for everyone who happens to come across her path and will pick on almost anything that looks like a sore spot. So no regular Glee viewer is surprised when the insults start (Marley and Unique, however, are both new to the school and haven’t encountered Sue before). Let me also remind you that Sue most viciously lashes out when she feels that her status, her place in the world, and her power are attacked. And I would argue that this is exactly what is happening for her here. Because Sue also is a woman who wears androgynous zipped-up track suits every single day. Until Coach Beiste showed up, she was the most masculine woman on Glee in both appearance and behavior and she remains fairly (and usually happily) masculine in comparison to the other women/girls. She has been depicted as unattractive, undesirable, domineering, and, by implication, unfeminine countless times. She has been ridiculed by several other characters, including her students and coworkers, for her decision to get pregnant at an older-than-average age, complete with jokes about the presumed absence of a sex life/functional vagina. Even her heterosexuality remains dubious because she treats men like stereotypical men in power positions treat women and can’t seem to stay in a relationship for longer than a few episodes, if she can find anyone who wants her at all, that is. She has even married herself, in a tracksuit dress, no less. (She is also played by the out lesbian actress Jane Lynch, who often appears in public in a low-femininity style, if we want to include such real-life factors, which we should because Glee tends to play with the Fourth Wall like that.) What all of this means is that Sue Sylvester’s own presence in the space of “female” isn’t exactly undisputed. And this is precisely what makes her behavior in this scene so fascinating and many-layered.

Her rant starts with a reference to the “feminine lilt” of the girls’ voices. Ironically, that actually acknowledges Unique’s gender as basically the same as Marley’s. While Unique’s voice is in a range that is pretty ambiguous by itself in terms of gender, the way she modulates that voice, her “lilt,” is feminine indeed. Sue then goes on to reference both femininity (powder, panty hose) and poverty (talcum powder, day-old pantyhose), which also implies a femininity that isn’t good enough, one that has failed to meet the standards (it’s also one of Marley’s biggest sore spots because her mother works as the school’s lunch lady and they are too poor to keep up with the latest fashion and designer brands).

Yet, Sue keeps addressing Unique with names that allude to successful black female singers, but in a way that makes Unique out to be a repulsive version of them. I’m also reminded of drag queen stage names here, which often are parodies that mock and celebrate female icons at the same time. The difference here is of course that Sue, not Unique, does the naming, which turns these names into straight-out insults – and implies that she considers Unique to be a “drag queen,” that is, someone who performs femaleness on stage but “really is” a man (or boy, in her case).

As in some previous episodes, Unique’s gender is once again defined by others, not by herself. This pattern will continue in this episode throughout two more scenes where several people speak about her in her absence, which results in an offensive and disrespectful mess of pronouns and other gendered associations and perceptions. In my reading of it, the point of all these awful scenes is that Unique’s first narrative function is to trigger all these projections about her gender in other characters (note: Unique gets to define herself in a later scene). In this case, Sue Sylvester.

The next bundle of references Sue makes in the bathroom scene relate to foreign(!) sausages, smuggling, national borders and general dishonesty/criminality (which is here expressed in terms of Polishness). Of course these are all thinly veiled (and racist) metaphors that bring up the theme of gender as a country, a place to inhabit, whose borders are controlled (but can still be illegally crossed). I find Sue’s inclusion of the term “homesick” into this part of the rant particularly telling because it describes so well the longing to go (back?) to a gendered place where one belongs (which is in fact very similar to the language Unique herself uses later, in the scene where she finally gets to describe how she feels in a two-gendered world). It’s also the point in her rant when things start to shift and break down.

Because the more Sue insists that Unique is a “boy,” the more obvious the visual parallels between the two become (now we actually see both of their whole bodies together in the some frame), the more the gendered line between them begins to blur. This is also where I want to introduce yet another layer to my reading of the scene. Because if we ignore the more theatrical elements of Unique’s femininity (and what we already know about her character) for a moment, she could just as well be a butch cisgirl who got the “this is the girls’ bathroom!” comment from Marley upon entering that space. In fact, I have known several butches who dressed a lot like Unique does in that scene, so something about her gendered ambiguity and the way women in public bathrooms react to that pings some of my receptors that are usually pinged by butches (or transguys). So, even if Sue and Unique approach the line between the two nations of gender from “opposite” sides, they still end up in a very similar place.

But now Marley interrupts Sue’s rant because (as her sideways look tells us) she is concerned about how it is affecting Unique. To understand this better, we need to know that Marley already has a history of speaking up against insults directed at people she cares for (like her mother who keeps being the target of meanness because of her size). So far, Glee has depicted Marley as an almost painfully good girl, which might explain why even Sue can’t think of a “mean nickname” for her. In fact, when Sue gets right into Marley’s physical space and again needs something mean to address her with, she calls her an “absolutely stunning, kind-faced, blue-eyed girl” in exactly the tone she normally uses for insults. And this is when something else happens, in this moment when Sue and Marley’s faces are very close together, in what was meant to be a threatening gesture by Sue. But then she ends up complimenting Marley for being pretty and kind and feminine, and we’re right back at the lesbian subtext I brought up earlier. And it throws Sue for a moment, to a degree where she has to physically shake it off, before she can launch into the second portion of her rant.

The rest of the rant is basically about media representations of transgender issues as a more scandalous next step after homosexuality has become commonplace. And while she rattles it off as if she has done so countless times before and isn’t even very interested in what she’s saying, Sue starts taking items out of Marley’s make-up bag on the sink and uses them on her own face. It almost seems as if she does it on autopilot because she never stops to acknowledge what she does. I read this both as an intrusion into Marley’s space (and I could even be tempted to invoke Freudian symbology when it comes to Sue’s hand in Marley’s container of femininity-enhancing things) and as a compulsive reassertion of her own femininity after the double impact of seeing the similarity between Unique’s gender presentation and her own and her subtle, lesbian (and thus potentially unfeminine) desire for Marley. That desire is once again emphasized when Sue ends her make-up application by putting one of the items into her jacket, right above her heart, where every romantic heroine has always kept intimate items that reminded her of her lover. And let’s not forget her invocation of a dental dam, that is, the most lesbian-associated safer sex accessory ever, as a protective measure against all the gayness on TV. Together, this also brings up the idea of not quite knowing whether you want be someone or whether you just want that person. As if she has suddenly come to her senses, Sue addresses Unique again, and tells her that not only can’t she play a female role in the school musical, but Sue will also “not allow [her] to unleash a teenage maelstrom of gender-bent sexual confusion” which only serves to underline that it is most of all her own gender and sexuality-related confusion that is inspired by the presence of Unique and which she apparently can’t allow.

And this is why I read this scene as an example of how big parts of the world react to trans* people. Because the mere existence of someone who doesn’t fit neatly into the heteronormative model of a feminine mind in a female body experiencing nothing but heterosexual desire for masculine men (and vice versa) forces everyone, no matter their own gender and desire, to find an answer to the question “what determines someone’s gender?” Granted, not everyone answers that in a trans-positive way, but they are still required to consider other potential answers to that question, if only to rule them out. And that destabilizes the very idea of gender as a monolithic block of certainty and alignment, even if that destabilization isn’t permanent. But, like the presumed safety of the girls’ bathroom at WMHS, the boundaries of gender will continue to turn out to be leaky and unreliable and maybe an illusion altogether because the enemy has always already been within. Not bad for a two-minute scene from a widely-watched TV show, huh?

[By the way, The lesbian subtext continues after the bathroom scene when Unique and Marley both act chivalrously with each other and Marley ends up wildly jumping around on stage in flat boots and jeans (which are strangely absent from the wardrobes of nearly all female characters on Glee) while Unique wears a dress and a feminine wig, which I don’t find hard to read as tomboy and femme, respectively.]

Does all of this mean that I think we’ll see a lesbian romance between Marley and Unique or a dramatic exploration of Sue’s newfound attraction to one of her female students or her own crossgendered identifications? Not at all. That’s not how Glee works, and these are not the stories that it’s ready to tell openly. But they are there nevertheless, in the spaces between what is factually scripted, what is added to that (and not always intentionally/consciously) by acting and editing, and what happens in the viewers’ imaginations when it comes to filling up the many narrative gaps and spaces that Glee has left open. And maybe there will even be ‘Marlique’ (Marley/Unique) or ‘Sueley’ (Sue/Marley) fanfiction one day to make these stories even more visible and real. And at the same time, there will be many other stories about the exact same scene, which will be completely different than mine but equally true and real.

“Because of the layers.”

This entry started with a comment I made on this post on Letters from Titan. Since I couldn’t stop thinking about the issues I had started to verbalize there, I decided to do what works best for me in those situations: talk about it. So here I give you my first post in English on this blog, and my first post about Glee. I have a strong suspicion that this is only the beginning…

As I said before, the butch and I are currently obsessing about Glee a bit (me more than him). We’re watching all episodes for a second time, and I’ve recently discovered some really read-worthy blogs that are wonderfully thinky about aspects of Glee. So I’m catching up on that end, too. I’ve also been sucked into Glee-related Tumblr blogs, mostly from Kurt/Blaine fans, and have found myself watching GIFs of the same kiss (their first one, from “Original Song”) over and over again until the wee hours of the morning. So far, I’ve only read a few fanfics, but I’m pretty sure I will get back to more of that eventually. And I can’t stop thinking about Glee. For me, that’s an extraordinary level of fan involvement which I experienced last with the Rocky Horror Picture Show (starting, oh, eighteen years ago).

Right now, I switch between moments of believing that Glee is absolute genius, especially in the way it depicts Kurt’s story arc (including the Karofsky story) and his relationship to Blaine (this happens most of all when I read Letters from Titan until my brain starts to crackle with happy fireworks of neuronal joy due to all the thinkiness and detail obsession and her seemingly random webs of associations that suddenly aren’t random at all anymore) and the sober realization that Glee does oh-so-many things terribly, terribly wrong, especially when it comes to its female and/or of-color characters and the madness of Glee‘s random story arcs in general (that happens a lot when I read Glee Critic, for example) or the unequal treatment of gay and straight relationships on the show (likewise with Fabfemmeboy). And don’t get me started on Finchel.

But even despite my awareness of the many problems Glee has, I can’t help being crazy over many of Kurt’s and Kurt and Blaine’s moments. What can I say? They move me. After all, they are exactly what brought me to Glee in the first place (and it’s the one thing I really, really owe Mensa for because someone shared a link to the video of Teenage Dream sung by the Warblers in “Never been kissed” (2×06) on their QueerSIG mailing list).

 

And then I watched the entire series up to wherever they were in April last year. And kept watching. And remained fascinated by Kurt (and Blaine). At some point, I noticed that I was obviously identifying with Kurt, and I’m partly writing this entry because I’m still trying to understand why and how exactly that is the case and how it ties in with my own gender and desire. I’m peeling back the layers, if you will.

You see, in my everyday life, I’m a queer, butch-loving femme who experiences a profound disidentification with what media portrayals (and, sadly, all too often real people as well) tell me is a woman/girl. Nevertheless, I’m apparently read as a fairly gender-conforming female, at least to the degree that strangers or coworkers wouldn’t seriously question my belonging to this category. But even in contexts where people are easily able to assume I’m straight (e.g. when I haven’t come out verbally yet, or when my transgender butch partner has been read as a cisgendered man and I am “straightened by association”), they still often notice that there’s something odd about the way I do gender and gendered interactions. So in that sense, I do read as queer in many situations, even if I don’t specifically aim for that (but I also don’t aim for avoiding it). If I want, I can make myself look pretty and/or sexy, and not just in the queer eyes of a select few. But that never completely overrules the fact that I also feel like a terribly awkward dork a lot of the time in the area of beauty and sexiness, especially when I didn’t consciously transform myself into a pretty/sexy girl (or woman, or even femme). The dorky, awkward real-life teenage me from 25 years ago has obviously not vanished entirely.

Perhaps this is why Glee speaks to me. It’s this world where people aren’t even expected to know who and what they “really” are. They aren’t supposed to be “done” with themselves. It’s this world where nothing is set in stone yet, where the future is wide open, where anything can happen. Even if we secretly know that this is a lie. Because you can’t fully unlearn being an outcast once you’ve been there. Especially not when you discovered the glittery, hard but absolutely exhilarating joys of it (which reminds me of that quote I recently read about Glee being a few diamonds in a pile of shit). Then again, I never went to an American high school because I grew up in Germany (and still live there), and I’ve never been to a school where athletes and cheerleaders were of any relevance to the entire student body (not to mention that we didn’t even have cheerleaders). Of course we also had social hierarchies and cliques and outcasts, but as long as I had a few like-minded friends, and a teacher or two who cared, I didn’t even want to be “popular” anymore.

I probably also need to say that there were a few rather interesting moments in my adult life where I felt like a young gay guy (which caused a rather interesting temporary transformation of how I perceived my entire body, which is perhaps a story for another day) and/or where I was erotically attracted to a certain type of gay male leather daddy. This attraction also happened while I was wearing a miniskirt and high heeled platform boots with my shaved head. And I know from experience that people’s anatomies are a lot less relevant to me and to the degree I enjoy sexual interactions than I initially thought. What turns me off most men (both cis and trans) isn’t the way their bodies look or work, or even their identification as men, but their inability to see my gender as anything but “naturally female” and our interaction (sexual as well as social) as anything but “naturally heterosexual.” Because I don’t do either of these.

So here I am, identifying with Kurt Hummel of all people (okay, characters) and trying to understand why and how. I’ve obviously never lived a gay male teenager’s life (or a lesbian teenager’s life at that, because I was already 21 when I first came out). I’ve never been harrassed, insulted, shoved into lockers, thrown into dumpsters, and I most definitely never had my life threatened for my queerness, gendered or sexual. Especially not at school. [1] But still, I can relate to Kurt so much more than to any other of the Glee characters.

I’m pretty clear on at least one aspect of why that is.

Before I get into it, however, let me insert a disclaimer. I’m talking about media representations and cultural narratives of certain genders here, and I read them the way I read book or movie characters, even if the stories are at least partly (auto-)biographical. I am not talking about actual people who I’ve personally met. I realize that this is a problematic thing to do, because the two constantly bleed into each other, but it’s the only way I can even start expressing certain things about myself right now. So please read this as provisionary and imperfect images I use because they’re better than nothing and until I find better ones.

So. The way I read Kurt, he embodies a certain kind of queer, camp-influenced, male femininity. And I have always found it a lot easier to identify with the queer femininity of drag queens, or lifestyle queens (I hope this is the appropriate term! I mean people like LaMiranda from the movie Stonewall, for example) and some kinds of feminine, gay men, than with straight or even mainstream-lesbian femininity (I’m looking at you, The L-Word). As much as I can explain that, it has to do with not taking one’s femininity for granted because people keep telling you you’re not good at it (in my case) or that you shouldn’t do it in the first place (in the case of lifestyle queens – which is not to say that I didn’t also get some pretty heavy anti-feminine shit thrown my way from a feminist/lesbian and direction). Instead, this kind of queer femininity has to be carefully and consciously constructed, and it never comes across as completely “natural.” Even if at the same time you feel that it has “always” been there and it just happens without you even thinking about it.

For me, this tension between consciously constructed and “natural” femininity is a fundamental aspect of my own femmeness. You see, I never was a pretty or girly girl. Nor was I an outright tomboy. Instead, I grew up as an oddly gender-neutral kid who was happiest when reading, or creating elaborate fantasy worlds to play in that included rearranging at least half of the furniture in my room. When puberty hit, I found out that all of this was suddenly a problem. I wanted nothing more than to be pretty and desirable like the other girls, but I failed miserably at that. I tried dressing right and wearing my hair right and moving right, but none of these things came “naturally” to me, and I kept looking like I had put on an ill-fitting costume for a role I simply couldn’t pull off. I very obviously wasn’t wanted by any of the teenage boys around me, and I was unable to join all the psychological “games” between girls and boys. Partly, I because found them stupid, but mostly because I just didn’t get them. My intense crushes on boys went unrequited, and I barely had any kind of teenage relationship although I did eventually start making out with boys at parties when we were all drunk and maybe a bit desperate. But I was never chosen by the ones I most desired.

It was only much later, after I had come out as a butch-loving femme (one went with the other for me) in my mid-twenties, that I experienced the blazing glory of being the prettiest girl in the room, being desired above everyone else, and being proudly and publicly chosen – and choosing and desiring back, because that’s part of the butch-femme dance for me, the mutual choice of what is otherwise despised, passed over, and considered ugly. With that came the realization that I could learn doing pretty and sexy femininity and be incredibly powerful at the same time. Even (or rather, especially) when I was yielding to the look and touch of a butch. Finally, femininity didn’t equal being stupid, exploited, or in danger anymore. Because I learned it so late, however, I was very conscious of the act of learning and the amount of practice it took until I was good at it. And that’s precisely when I remembered that I had once, without thinking, seen myself in a ballgown at a women’s dance to which I was invited during the most lesbian-feminist and harshly femme-hating phase of my life. And how perfectly right it had felt to walk into that dance in my red floor-length ballgown from the cheap second-hand store, with my tattoos visible on my upper arms, Doc Martens-like boots peeking out from under the hem of the dress, and a DIY haircut that mostly fulfilled the lesbian cliché look of that time and place – and a dyke in a tuxedo or men’s suit jacket, respectively, on each of my arms. That was indeed a princess dream come true, long before I even dared to think of myself as having even the slightest trace of princess in me, or the desire to be one. Even though I didn’t even know a single ballroom dance step and sat around most of the time, pettily envying the only other young woman in a dress whose femininity was so much more “perfect” than mine (and who therefore couldn’t be a “real” lesbian in my then-“logic”) and who got to dance with the kind of dyke I found most attractive.

It took me a few more years to understand that I didn’t have to be a butch just because I desired butches, and to think about my own gender and desire in terms of butch and femme in the first place. Today, I still cringe at the few pictures of me that exist from these years because I look so awkward in my attempts at looking “like a real lesbian.” I cringe even harder at remembering how I hated my own femininity and tried to eliminate it, not just by putting away my eyeliner and skirts and eventually stopping to do bellydance (which, ironically, had taught me to be erotic and flirtatious for and with women in the first place), but by trying to develop a new body language that would read as more “lesbian” (read: butch). And that point of painful, deliberate, self-hating re-formation of myself is exactly where I come crashing back to Kurt. The Kurt in “Laryngitis” (1×18), who tried so hard to butch it up to be who he thought others wanted him to be. There’s no scene in all three seasons of Glee that make me as uncomfortable as watching Kurt sing “Pink Houses” during that episode, and few that make me tear up as much with pride and joy than seeing him sing “Rose’s Turn” later on.

Because I’ve been there, and not just once, and not just with one gender. So, yeah, that’s where I get Kurt, in all the ambiguity of both becoming and understanding him.

And that’s where I get back to Blaine. Because, at some point in my budding Glee obsession, I realized that I found Blaine attractive. And it was most decidedly Blaine, not Darren Criss who portrays him. And I didn’t find him attractive from a girl-to-guy position. I found him attractive for the way he looked at Kurt, because that’s how I want to be looked at: Like I am loved for being perfectly imperfectly exactly how I am, with all my insecurity and my big dreams and my hurt at never, ever truly fitting in. With my hard-edged scorn for what’s “normal” and my desperate episodes of wanting to be completely unexceptional, just for once. I want to be someone’s treasure, the thing they never thought they could get because they’re as much of a freak as I am, just in a different way. And I want to be the girl to someone’s boy, even though it’s really never that simple and there are days when girls need to give boys flowers in all seriousness and… zig instead of zag. Layers, you know. Layers and intimacy.

Besides that, Blaine has a certain kind of retro masculinity going on, which often looks inherently “queer” to the modern eye (even though it wasn’t back then, except when it was – there’s a brilliant article out there somewhere that discusses Blaine’s clothing and its relation to gayness of earlier time periods but I sadly can’t seem to find it again right now) and which plays into the Kurt/Blaine dynamic. The first time we very explicitly see this is with “Baby, it’s cold outside,” and the retro theme, complete with obvious nods to hidden homosexual narratives of the 1950s, comes back with full force in “Extraordinary Christmas” (3×09). And this retro masculinity has a very strong “lesbian” butch-femme subtext for me. After all, this is where “we” first started – at least in one of the butch-femme history narratives. Leslie Feinberg’s Stone Butch Blues iconized the decades of the late 1940s to 1960s for us, and many butches and femmes have been romanticizing this time ever since. We’ve been dreaming of being or having a perfect gentleman who really is a “woman,” and in recent years, many of the aesthetics of that time were adopted as an iconic look for butch-femme. All of this is present for me in Blaine and Kurt’s interaction. Which makes it very easy to see myself in their dynamic. And since I really have to think hard to remember even one filmic depiction (let alone in the mainstream media) of a romantic narrative between a (transgender) butch and a queer femme where the butch wasn’t so “girlified,” presumably to make her more acceptable to a larger audience, that she stopped reading as a butch to me, Blaine and Kurt are the closest to home that I’ll probably get anywhere soon.

Finally, the way the two of them don’t even get close to being undressed on-screen (on their own or with each other) goes a very long way for me in reading their genders as something that isn’t determined by their anatomy. Which again ties into my desire for (transgender) butches and my femme gaze at their naked bodies. Because my gaze looks not primarily at the anatomical “truths” which (we’re told so often) remove any doubt about someone’s “real” gender. Instead, I see a different but still gendered layer when I look at a naked butch body that is a lot more true than what a plain photograph of this body could ever capture. In other words, I’m very grateful that Kurt and Blaine’s sexual moments have not been illustrated with lots of undressing of clearly gendered body parts.

Wow. That was a very interesting trip. (It also served its purpose, because I now understand a lot more about my identification with Kurt and desire for Blaine.) I think I’ll do more of them.

Update, 01 August 2012: And how could I forget to link to this article from Letters from Titan where Racheline Maltese has said pretty much the same thing about the butch-femme dynamic between Blaine and Kurt without ever using the words “butch” or “femme.” Here’s an excerpt.

For folks (largely queer folks) paying attention, Glee informs us that Kurt is happy and eager to be an aesthetically feminine partner in his relationship and play act at that very role… when it’s about his relationship. But that in no way makes him a passive, submissive or traditionally feminine partner; it doesn’t even make him a girl (sidenote: I loathe all the stereotypes it’s necessary to address to untangle what’s going on with Kurt, but it’s the world he, and we, live in). It places a heteroaesthetic dynamic around Kurt and Blaine, while firmly removing any hint of a heteronormative one.
That heteroaesthetic dynamic serves to amplify queerness for the viewer interested in queerness, but also to minimize queerness, by suggesting the actually rejected heteronormativity, for the viewier not interested in, or not comfortable with, that same queerness. This is a type of relatively outrageous passing, one that offers Kurt and Blaine safety both intra- and extradiegetically, without imposing restriction on their significantly queer gender expression and sexuality.

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[1] This is not to say I’ve never personally experienced anti-queer harrassment or violence, but the context of those few incidents was very different from what has been shown on Glee. I was also already in my twenties. All in all, I’ve always been a lot more more afraid of anti-queer violence towards my butch girlfriends/partners than towards myself, which probably has to do with the very real and drastic violence they did experience, partly while I was their girlfriend (but not with them when it happened). For now, let’s just say this isn’t my point of connection to Kurt.

Derailing “Romeos”?

Der Film Romeos dreht sich um den jungen schwulen Transmann Lukas (Rick Okon), der sich mit seiner besten lesbischen Freundin Ine (Liv Lisa Fries) durch den Alltag als Neu-Zivi und die Kölner Partyszene schlägt und versucht, dabei als trans* möglichst ungeoutet zu bleiben. Auf einer gemischten, heterodominierten WG-Party trifft Lukas den attraktiven, selbstbewussten, machoesken und sexuell aggressiven “Italiener” Fabio (Maximilian Befort), der Lukas’ Männlichkeitsideal verkörpert, und verliebt sich in ihn. Daraus folgen diverse Konflikte um Identitäten, Körper, sexuelle Orientierungen, Vertrauen, Abenteuerlust, und so weiter. Der ganz normale Teenie-/Jungerwachsenenwahnsinn also, mit dem auffallenden Unterschied, dass er zu größeren Teilen in schwullesbischem Kontext stattfindet. Was vor allem deswegen so auffällt, weil man die völlig normale Präsenz schwullesbischer Kontexte im Leben schwuler, lesbischer, bisexueller und weiß-nicht-so-genauer Menschen aus der Mainstreammedienlandschaft schlicht nicht kennt.

Ich habe diesen Film mit sehr gemischten Gefühlen dieses Jahr bei den Lesbisch-Schwulen Filmtagen (LSF) in Hamburg gesehen. Vor kurzem lag er nun bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) zur Altersfreigabe vor. Beantragt war eine Freigabe ab 12 Jahren, beschlossen wurde eine Freigabe ab 16 Jahren. Die Begründung der FSK [pdf] landete bereits vor einiger Zeit in meinem Postfach, ich habe mich kurz aufgeregt über die konzeptionell verwirrten und insgesamt extrem heteronormativen Formulierungen und das Ding dann als “war wohl nicht anders zu erwarten” ins Archiv verschoben.

Heute fand ich nun aber bei Joke von laufmoos eine umfassendere Analyse der Begründung der FSK und eine sich daran anschließende interessante Diskussion über Lesarten des Films, Definitionen von queer und verwandte Themen. Neu war mir, dass die FSK offenbar nach Protesten eine neue Begründung ihrer Einschätzung (via) formuliert hat, an der Einstufung “ab 16” aber festhält. Eigentlich wollte ich auch nur einen Kommentar bei laufmoos hinterlassen, aber als ich so ins Schreiben kam, wurde alles wieder sehr lang, und erschien mir besser in einem eigenen Blogbeitrag aufgehoben.

Zunächst noch ein paar mehr Worte zum Film selbst:

Der Film spielt v.a. in einer Gruppe Teenies/Jungerwachsener in Köln, die meisten erstmals außerhalb des Elternhauses und in der Großstadt wohnend und mit entsprechendem Freiheitsauslebenwollensdrang. Es gibt als Orte zum Ausgehen (und zur Thematisierung von Sexualität) heterodominierte WG-Partys, schwule Discos und eine heterodominierte Billardkneipe. Es geht insgesamt viel um Begehren, Sex und die Suche nach dem*der “Richtigen”, Langzeitbeziehungen sind mir nicht in Erinnerung geblieben. Aber ganz ehrlich: ich erinnere mich auch nicht an viele heterosexuelle Langzeitbeziehungen um mich herum, als ich so zwischen 16 und 20 war. Mir scheint der sogenannte “häufige Wechsel von Partner*innen” (welche Häufigkeit hier auch immer die “normale” Vergleichsgröße bilden mag…) daher eher als ein Phänomen, das typisch für eine bestimmte Lebensphase ist, als eine spezifisch homosexuelle Angelegenheit.

Wie mittendrin in dieser ohnehin schon recht achterbahnmäßig emotional aufgeladenen Szenerie nun auch noch ein Transmann vorkommt, fand ich eigentlich sehr deprimierend realistisch umgesetzt. Ich war jedenfalls mal wieder extrem froh, mich inzwischen deutlich jenseits dieses Alters und dieser Lebenswelt zu befinden, die auch für mich als Nicht-Trans*mann eher keine unkomplizierte Lebenszeit war.

Ich habe an der einen oder anderen Stelle im Kino zwar sehr genervt über die vielen sexuellen, geschlechtlichen und ethnisierten Stereotype mit den Augen gerollt, aber so im Nachhinein muss ich das Genervtsein zumindest ein bisschen zurücknehmen, denn viele der Stereotype werden dann doch wieder irgendwie gebrochen. Zum Beispiel knutscht die extrem stereotyp großäugig-naive Die-kann-nur-hetero-sein-Blondine Jacqueline (Juliane Knoppek), mit der der stereotyp mackerige “Italiener” Fabio eine Zeitlang liiert ist, später mit der lesbischen besten Freundin von Lukas, dem bezüglich seiner Männlichkeitsideale vollkommen stereotypen Transmann. Das mit den vermeintlich klaren Kategorien der sexuellen Orientierung bringt der Film an vielen Stellen also wirklich angenehm vieldeutig durcheinander. Man könnte das vielleicht auch als pseudo-unpolitische Beliebigkeit abtun, aber ich empfinde es als durchaus passend für die dargestellte Welt. Als “eigentlich hetero”, wie in der Diskussionbei laufmoos aufkam, ist Fabio für mich jedenfalls nicht so ohne weiteres zu lesen.

Es gibt natürlich auch insgesamt nicht nur eine “richtige” Lesart von Romeos. Im Gegenteil, gerade seine relative Intersektionalität (hier v.a. verkörpert durch den schwulen Transmann und den schwulen/bisexuellen “Italiener”) eröffnet deutlich mehr als einen Blick auf die gezeigten Situationen. Auch Szenen wie die, in der Ine Lukas vorwirft, er habe nur noch trans* im Kopf und sei für die Anliegen seiner besten Freundin überhaupt nicht mehr offen, fand ich sehr realistisch und gelungen un-einfach. Gleiches gilt für die Weigerung der Pflegedienstleiterin Annette (Silke Geertz), ihrem sexistischem Chef Herrn Boeken (Gilles Tschudi) gegenüber zugunsten von Lukas Kompromisse einzugehen, die ihr zum Nachteil wären. Insofern bin ich inzwischen durchaus geneigt, meine gemischten Gefühle als Erfolg des Films zu verbuchen, der zwar in vielen Punkten sehr trans*- und homofreundlich ist (insbesondere durch die Selbstverständlichkeit, mit der diese Identitäten und Verhaltensweisen portraitiert werden), aber es sich dennoch nicht so einfach macht, die Welt in saubere Schubladen von “Guten” und “Bösen” aufzuteilen.

Nun zur ersten Begründung der FSK (hier nochmal der Link [pdf]): Für mich liest die sich, als ob jemand Schwullesbisches bei der FSK arg besorgt über das schlechte und “einseitige” Bild von Lesben und Schwulen gewesen sei, weil im Film zu viel über häufig wechselnde Partner*innen von Nicht-Heterosexuellen und zu wenig über monogame Langzeitbeziehungen gesprochen wird. Um Transidentität geht es in der Begründung eigentlich überhaupt nicht (weswegen das Thema auch gar nicht unter dem Punkt “Inhalt”, sondern erst in der “Beurteilung” auftaucht). Wenn darin also irgendwas deutlich wird, ist es das völlige Unverständnis von Trans*sein seitens der Person, die diese Begründung verfasst hat.
Alles weitere haben Joke von laufmoos und andere bereits zur Genüge auseinandergenommen, so dass ich hierzu nichts weiter sagen werde (Links siehe unten).

Die zweite Begründung der FSK (hier nochmal) deckt sich inhaltlich mit dem, was ich im Film tatsächlich gesehen habe. Warum Zwölfjährige jetzt mit dem Dargestellten überfordert sein sollen, weiß ich allerdings auch nicht. Vor allem nicht, wenn man sich vergegenwärtigt, was sonst so alles als zumutbar und verkraftbar für diese Altersgruppe gilt (bei bisexualitaet.org und MoviePilot finden sich einige hübsche Vergleichsfälle).

Was ich an der ganzen Debatte mit am interessantesten finde, ist allerdings nicht der ganze Wirbel um die Homofeindlichkeit der ersten FSK-Begründung (und -Einstufung an sich). Sondern die Tatsache, dass hier die ganze Zeit über die Darstellung von Homosexualität geredet wird, obwohl die eigentliche Story sich zentral um die Transidentität des Protagonisten dreht, der halt außerdem schwul ist (das ist aber nie ein Problem im Film). Und nun frage ich mich, ob wir es hier nicht vor allem mit einem klassischen Fall von Derailing zu tun haben… Um mal das GeekFeminismWiki zu zitieren:

Derailment occurs when discussion of one issue is diverted into discussion of another issue, often by the group who were being called out about their bad behaviour in the first place. […] Typically, derailing will instead centre the needs of the relatively privileged group and ask the activist to reframe the conversations or actions around members of that group.

In anderen Worten: die Debatte verschiebt sich hier zu den Anliegen der relativ privilegierteren Gruppe der Lesben und Schwulen, womit verhindert wird, dass a) Lesben und Schwule sich mit ihrer eigenen Trans*feindlichkeit auseinandersetzen müssen, b) der Film auf seine Darstellung von Transidentität und Trans*leben hin untersucht wird, c) überhaupt über Trans* geredet wird. Statt dessen reden wir wieder einmal über Lesben und Schwule (richtiger: Schwule und Lesben) und haben außerdem noch den Nebeneffekt, dass der schwullesbisch zentrierte Protest positiv mit Trans* assoziiert wird (denn der Film ist ja in den meisten Köpfen vermutlich trotzdem zuerst ein Trans*film), d.h. die Trans*feindlichkeit von Schwulen und Lesben wird doppelt verschleiert.

Dabei bietet der Film selbst durchaus interessante und brauchbare Anknüpfungspunkte, um genau an die Schnittstelle zu gucken, wo Transidentität und Homo-/Bisexualität aufeinandertreffen, sowohl in subkulturellen Gemeinschaften als auch in ein und demselben Menschen…

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Weitere Texte zur FSK-Einstufung: