Kettensägen und Nähmaschinen

In einem (selbstverständlich lesenswerten) Text über Butches von Ivan E. Coyote fand ich heute diesen Satz:

There was a sign in the window of the garage saying they were a Husqvarna dealer — you know, the chainsaws and stuff. Well anyways, they are my favourite chainsaws, so I went in to look around.

Husqvarna?? *gnihi* Meine ungefähr 23 Jahre alte heißgeliebte Nähmaschine ist auch von Husqvarna. Und die alte Nähmaschine von meiner Mutter, auf der ich nähen gelernt habe, war auch von Husqvarna. Und deswegen denke ich bei der Marke auch immer nur an Nähmaschinen und nie an Kettensägen. Also eher “you know, the sewing machines and stuff.” Alles eine Frage der Perspektive.

Coyote erzählt jedenfalls weiter:

Standing next to the parts counter in the back with his back turned was a cat in mechanics’ overalls. Then she turned around. Tall drink of water, dirt under her nails. Almost worn out navy-blue coveralls with her name stitched on them.
[…]
We never really spoke much, just stuff about whether or not they had any Husqvarna T-shirts (they did, men’s medium, they did) and so I left with a $10 T-shirt and my heart in my throat a little, imagining her there, butch as the day is long for sure if I ever saw one, in that town in my rearview mirror.

Vielleicht sollte ich mir auch ein Husqvarna-T-Shirt kaufen. Vielleicht führt das zu interessanten Gesprächen mit Kettensägenconnoisseur*innen, die ja vielleicht nicht alle so schweigsam sind wie die Butch in dieser Geschichte.

(Und damit ich diesen Gesprächen auch klugscheißerisch gewachsen bin, habe ich mich jetzt gleich mal darüber informiert, dass Husqvarna zuerst Musketen, dann Nähmaschinen, dann Motorräder und dann Kettensägen und Mikrowellen hergestellt hat. Falls mir jemand mit “eigentlich ist das aber ‘ne Motorradmarke” oder so kommen sollte. Pff.)

Oder ich lerne dank meines neuen Husqvarna-T-Shirts andere Nähmaschinenbenutzer*innen kennen und kann mit ihnen ein femininitätsfreundliches und queerpositives Handarbeitskränzchen gründen. Da können wir uns dann über schweigsame und andere Butches unterhalten, fachkundige Tipps und Tricks aus dem Textilhand- und -kunstwerk austauschen und natürlich darüber sprechen, wieso es diesen Gürtel nicht mit dem Text “Husqvarna – SEWING MACHINES – since 1872” gibt…

Der Plan.

Also, Bloggen will ich ja schon lange. Ich habe in den letzten Jahren bestimmt auch schon zehn Blogs eingerichtet und begonnen, sie mit Inhalt zu füllen. Und fast genauso viele habe ich nach einer Weile wieder gelöscht, gesperrt oder einfach einschlafen lassen.

Es gibt natürlich diverse Gründe, weshalb ich immer wieder mit den Blogs aufgehört habe.

Nachdem ich einen thematischen Blog begonnen hatte, folgte über kurz oder lang eine Phase, in der das Thema des Blogs einen extremen Randplatz in meinem Leben eingenommen hat (so dass ich nichts dazu zu sagen hatte und der Blog ewig lang unaktualisiert brach lag). So ist das bei mir eben manchmal mit den Themen: sie beschäftigen mich eine Weile sehr intensiv (und manchmal auch etwas obsessiv), dann entdecke ich ein neues Interesse oder grabe ein altes Thema wieder aus und wende meine Aufmerksamkeit anderswo hin. Und wer folgt schon einem Blog, der manchmal monatelang nicht aktualisiert wird, weil seine Inhaberin gerade in einem anderen Projekt steckt und dort eifrig Texte, Veranstaltungen oder Kleidungsstücke produziert?

Bei Blogs, die thematisch offen waren, stieß ich immer wieder an die Grenzen dessen, was ich über mich, meine Leben, meine Interessen und meine Netzwerke frei zugänglich ins Internet stellen wollte. Ich bin nämlich alt genug, um das Verschwinden privater Räume on- und offline nicht vollkommen selbstverständlich und ganz großartig zu finden. Und seit ich nicht mehr studiere, sondern “hauptberuflich” in einem doch sehr mainstreamigen Umfeld arbeite, ist mir zugegebenerweise auch nicht mehr ganz so egal, wer was über mich erfährt. Die engeren Freund*innen und die ganz Fremden sind dabei ja nie so das Problem. Bloß diese ganzen Menschen, die man so ein bisschen kennt. Und es auch gern dabei belassen möchte. Will ich wirklich riskieren, dass all die sorgfältig getrennt gehaltenen Teile des Ganzen hier einfach unkontrolliert ineinander fließen?

Und schließlich wusste ich nie so richtig, ob ich nun auf deutsch (die Sprache des Landes, in dem ich lebe) oder auf englisch (die Sprache der meisten Blogs, die ich lese und in deren Netzwerk ich mich gern einknüpfen wollte) schreiben sollte. Oder gleich zweisprachig? Aber dann müsste ich ja jeden Beitrag zweimal schreiben – lohnt das denn? Und hätte ich da im Ernst Lust drauf?

Was ist diesmal also anders als sonst?

Ich habe vor, über alles mögliche zu schreiben, was mir gerade interessant erscheint. Vermutlich wird es einige Themen geben, die öfter mal vorkommen, weil sie mich recht zuverlässig immer mal wieder beschäftigen. Zum Beispiel: Geschlecht/Gender, Sexualität, Transgender, queer, Butch/Femme, Medien, Hochbegabung, Arbeit…

Irgendwas davon ist eigentlich immer irgendwie Thema, so dass eventuelle längere Veröffentlichungspausen vermutlich eher mit Zeitmangel als mit Inspirationslosigkeit begründet sein werden. Und vielleicht interessieren sich ja auch andere Leute für mehr als eins dieser Themen und freuen sich, damit nicht die einzigen zu sein. Und andere freuen sich vielleicht über Blicke über den eigenen thematischen Tellerrand. Das hat ja mit den analogen Kopier- und Schnibbel-Zines, die ich früher produziert habe, auch immer wieder ganz hervorragend geklappt. Und nicht zuletzt lese ich solche wild gemischten Blogs selbst auch ziemlich gerne.

Ich lasse es mal drauf ankommen, ob sich jemand zusammenreimt, wer ich bin, und was daraus für Schlüsse gezogen werden. Meine Teile des Ganzen sind ja sowieso immer alle da, auch wenn ich einige davon an dem einen oder anderen Ort eher bedeckt halte. Aber das ist ja auf Dauer auch nix, jedenfalls nicht für mich. Also riskiere ich jetzt einfach mal, wieder etwas öffentlicher etwas weniger einseitig wahrnehmbar zu werden. Ich bin überzeugt, das wird insgesamt zu meinem Wohlbefinden beitragen.

Offensichtlich habe ich mich erstmal für deutsch als Hauptsprache des Blogs entschieden. Ich glaube, es wird Zeit, ein bisschen mehr in meiner Nähe zu gucken und zu denken und zu schreiben (und hoffentlich auch gelesen zu werden). Wenn ich aber nun eines Tages feststelle, dass ein bestimmter Text gern auf englisch geschrieben werden möchte, dann ist das eben so.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es hier weitergeht.